Die Zwischensaison ist im April geprägt von einem verstärkten Zuwachs bei Arbeitslosen aus dem Tourismus und einer schleppend anlaufenden Bausaison.
Nach dem Ende der Wintertourismus-Saison haben die Arbeitslosenzahlen vom März auf April um über zweitausend zugenommen. Im Vergleich zum April des Vorjahres ist die Arbeitslosigkeit um 8,5 Prozent oder 1.059 auf 13.547 Personen gestiegen. Das ist ein Plus über dem bundesweiten Zuwachs von 6,6%. Bei der Arbeitslosenquote weist Salzburg mit 5,4 Prozent (nach nationaler Berechnungsmethode) hinter Oberösterreich den bundesweit zweitbesten Wert auf.
Die Zahl der Schulungsteilnahmen ist beim AMS Salzburg um 8,2 Prozent auf 2.863 Personen gesunken, während sie in Österreich um sieben Prozent gestiegen ist. Bei der Veränderung der Arbeitslosigkeit inklusive Schulungsteilnahmen verzeichnet Salzburg ein Plus von 5,1 Prozent und liegt damit unter dem entsprechenden bundesweiten Schnitt von plus 6,7 Prozent.
Nahezu in gleichem Ausmaß hat die Arbeitslosigkeit bei Frauen (+8,5% auf 7.010 Personen) und bei Männern (+8,4% auf 6.537 Personen) zugenommen. Bei jungen Arbeitskräften bis 24 Jahre lag der Zuwachs mit fünf Prozent unter dem Plus der Gesamtarbeitslosigkeit, während Ältere ab 50 Jahre von einem überproportionalen Anstieg im Ausmaß von 17,3 Prozent betroffen waren.
Genau die Hälfte aller zusätzlichen Arbeitslosen (+530 Personen oder +11,6%) entstammt der Tourismusbranche. Es folgen die Warenherstellung (+144 Personen oder +15,5%), die Arbeitskräfteüberlassung (+124 Personen oder +15,9%) und das Bauwesen (+87 Personen oder +15,2%). Auch Rückgänge konnten verzeichnet werden, und zwar in der Sparte Verkehr (-35 Personen oder -3,8%) und im Gesundheitswesen (-27 Personen oder -17,6%).
Für den Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservice Salzburg, Siegfried Steinlechner, wirkt bei der Arbeitsmarktlage immer noch eine saisonale Prägung nach: „Nach der Spitzenbeschäftigung im Winterfremdenverkehr haben wir nach Saisonende mit der nun eingetroffenen stark steigenden Saisonarbeitslosigkeit gerechnet. Auf der anderen Seite scheint die Bausaison – besonders Innergebirg - nur schleppend anzulaufen.“ Diese These wird vom Umstand gestützt, dass die Zahl der Arbeitslosen mit Einstellzusagen um 11,3 Prozent auf rund 5.900 Personen, also nicht viel weniger als die Hälfte aller Arbeitslosen, gestiegen ist. Die laut AMS-Chef Steinlechner im Vergleich geringer ausgeprägten konjunkturellen Probleme würden je etwa zur Hälfte in den Arbeitslosenzuwächsen in der Warenproduktion und in der Arbeitskräfteüberlassung mit zusammen rund 370 zusätzlichen Arbeitslosen zum Ausdruck kommen.
Ein uneinheitliches Bild zeigt die Arbeitsmarktentwicklung in den Bezirken. Während im Tennengau die Arbeitslosigkeit um 1,4 Prozent gesunken ist, waren im Pinzgau (+15,6%) und im Lungau (+20,4%) deutliche Zuwächse zu registrieren. Dazwischen liegen der Pongau (+4,7%) und der Flachgau mit der Landeshauptstadt (+6,8%).
Bei den offenen Stellen meldet das AMS Salzburg einen Bestand von 2.740 verfügbaren Arbeitsplätzen. Das ist ein Minus von 6,4 Prozent, jedoch ein Wert unter dem bundesweiten Rückgang von -11,1 Prozent.
Trotz Konjunkturabschwungs hält Salzburg die Spitzenposition auf dem österreichischen Arbeitsmarkt. Ein Maßnahmenpaket des AMS zur Ausbildungssicherung und ein deutlicher Lehrstellenüberhang sorgen auch für die geringste Jugendarbeitslosigkeit.
Die Beschäftigung ist im Bundesland Salzburg im ersten Quartal 2012 um 2,2 Prozent deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 1,6 Prozent gewachsen. Ausschlaggebend war unter anderem die gute Beschäftigungslage im Tourismus. In dieser Sparte ist auch die Arbeitslosigkeit zurückgegangen (-3,7%). In den meisten anderen Branchen ist sie allerdings gestiegen – am stärksten im Bauwesen (+8,7 Prozent bzw. +264 Personen). Insgesamt hat die Arbeitslosigkeit im bisherigen Jahr um 6,2 Prozent zugenommen. Daraus resultiert eine Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent (nach nationaler Berechnungsmethode). Das ist die bundesweit niedrigste Quote und liegt deutlich unter dem österreichweiten Schnitt von acht Prozent.
Stellenoffensive
Parallel zur Konjunkturentwicklung ist seit dem Herbst des Vorjahres auch die Zahl der gemeldeten offenen Stellen rückläufig. Dementsprechend wirbt das AMS bei den Unternehmen verstärkt darum. So lief Ende März eine zweiwöchige Schwerpunktaktion, bei der im ganzen Bundesland fast siebenhundert Betriebe besucht und auch über das Förderprogramm des AMS informiert wurde. Diese Aktion hat dazu beigetragen, dass trotz Konjunkturschwäche im Lauf des ersten Quartals in Summe neuntausend Stellen zur Besetzung entgegengenommen werden konnten.
Lehrstellenmarkt
Eine besonders herausragende Rolle nimmt der Lehrstellenmarkt im Bundesland Salzburg ein. Während – abgesehen von Tirol – in allen anderen Bundesländern ein Mangel an Lehrstellen besteht, gibt es in Salzburg dreimal so viele Lehrstellen wie Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen. Selbst wenn man das überrepräsentierte Angebot an Ausbildungsplätzen in der Gastronomie herausrechnet, bleibt Salzburg das einzige Bundesland mit einem Lehrstellenüberhang. So erfreulich die Lage für Jugendliche auf Lehrstellensuche ist, so problematisch ist es für Betriebe oft, geeignete Bewerber und Bewerberinnen zu finden.
Jugendausbildung
„Das Problem der unzureichenden Eignung, aber auch weil trotz allem in den Wunschberufen oder in der Region kein entsprechender Ausbildungsplatz zu finden ist, ist ein Auffangnetz erforderlich, dass den Jugendlichen eine berufliche Zukunft und der Wirtschaft den Fachkräftenachwuchs sichert“, verweist AMS-Landesgeschäftsführer Siegfried Steinlechner auf die Maßnahmen des AMS zur Ausbildungssicherung. Das Arbeitsmarktservice biete ein Bündel an Maßnahmen von der Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss bis hin zur überbetrieblichen Lehrausbildung.
Insgesamt 1.300 Plätze stehen zur Verfügung, der Mitteleinsatz dafür beträgt 6,2 Millionen Euro. Ziel der Aktivitäten ist der Eintritt bzw. der Übertritt in ein reguläres Lehrverhältnis oder die Aufnahme einer Beschäftigung. Der Erfolg: Salzburg war im 1. Quartal 2012 (wie auch schon im Gesamtjahr 2011) mit einer Jugendarbeitslosenquote von 3,0 Prozent das Bundesland mit der geringsten Arbeitslosenrate bei den 15- bis einschließlich 19-Jährigen.
Auch im März machten sich auf Salzburger Arbeitsmarkt noch saisonale Einflüsse bemerkbar, wobei der Tourismus für positive, der Bau für negative Effekte sorgte. Gemeinsam mit Oberösterreich hält Salzburg weiterhin die niedrigste Arbeitslosenquote.
11.460 Personen – um 578 Personen mehr als ein Jahr zuvor – waren Ende März als arbeitslos vorgemerkt. Das ist ein Plus von 5,3 Prozent (Österreich: +4,4%). Berücksichtigt man jedoch, dass die Anzahl der Personen in Schulung um 519 Personen (auf 2.883) gesunken ist, so sind lediglich 59 Personen mehr als im Vorjahr auf Jobsuche – ein Zuwachs von 0,4% (Österreich: +3,1%).
Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnungsmethode beträgt in Salzburg 4,5 Prozent, das ist gemeinsam mit Oberösterreich die niedrigste Quote bundesweit.
„Die Arbeitslosenquote ist gegenüber dem Vorjahr nur um einen Zehntel Prozentpunkt gestiegen“, stellt der Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservice Salzburg, Siegfried Steinlechner, fest, „der Konjunkturabschwung spiegelt sich also nur sehr verhalten auf dem Arbeitsmarkt wider“, so der AMS-Chef. Dagegen seien auch im März noch Saisoneffekte dominant: „Während der Tourismus aufgrund der Schneelage und des früheren Ostertermins positiv wirkt, läuft die Bausaison nach dem späten Abklingen der Kälteperiode nur schleppend an", konstatiert Steinlechner.
So registrierte das Arbeitsmarktservice Salzburg im Bauwesen eine um 26,8 Prozent gestiegene Arbeitslosigkeit, während in der Beherbergung die Arbeitslosenzahlen um 22,3 Prozent gesunken sind. Die Wirksamkeit der Konjunkturabschwächung wird dagegen besonders in der Warenherstellung mit einem Arbeitslosenzuwachs von fünfzehn Prozent sichtbar. Deutliche Zuwächse zeigen sich auch im Sozialwesen mit einem Plus von 31,1 Prozent.
Der Bestand an offenen Stellen war beim AMS Salzburg mit einem Minus von 5,7 Prozent unter dem bundesweiten Schnitt von minus 7,9 Prozent rückläufig.
Mit plus 11,7 Prozent ist die Zahl Arbeitsloser ab 50 Jahre überproportional gestiegen, während junge Arbeitskräfte bis 24 Jahre lediglich von einem geringfügigen Zuwachs von 2,1 Prozent betroffen waren. Kaum einen Zuwachs zeigt die Arbeitslosenstatistik bei weiblichen Arbeitkräften (+0,8%), dagegen wirkt sich die Lage im Bauwesen und in der Warenherstellung mit einem Plus von 8,5 Prozent bei männlichen Arbeitskräften aus.
Differenziert ist die Lage in den Bezirken: Während im Pongau ein spürbarer Rückgang von 6,2 Prozent registriert werden konnte und die Arbeitslosenzahlen im Tennengau stagnierten, gab es im Pinzgau und im Lungau Zuwächse von über zwölf Prozent. Im nördlichen Zentralraum bewegte sich der Zuwachs im Landesschnitt.